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Album der Woche KW 36: The Kyle Gass Band – Thundering Herd

Kyle Gass ist neben Jack Black die zweite Hälfte der Spaß-Rock’n’Roll Band Tenacious D, aber das wisst ihr sicher bereits. K.G. gründete 2011 The Kyle Gass Band. Mit von der Partie sind Mike Bray, der wie K.G. singt und Gitarre spielt. Für den Bass ist Jason Keene zuständig, und John Konesky, den einige bestimmt als E-Gitarrist von Tenacious D kennen, macht die Band perfekt. Nate Rothacker, der bei der Band Trainwreck an den Trommeln saß, verließ die Band 2013 und wurde zunächst durch Jamie Douglas ersetzt. Danach übernahm Tim Spier die Drums und gab sie auch nicht mehr her. Ihr erstes Album veröffentlichten sie 2013 ebenfalls unter dem Namen Kyle Gass Band.

Nun ist die Band mit ihrem neuen Album Thundering Herd zurück, das seit 2.9. im Regal des Plattendealers deines Vertrauens steht. Elf Titel beinhaltet das gute Stück, das man nicht mit einem Album von Tenacious D verwechseln darf und sollte. Klar ist, dass The Kyle Gass Band nicht an den Kultstatus rankommt, allerdings muss sie?  das auch nicht.

Beim ersten Durchhören kommt die Platte sehr kurzweilig daher. Es ist gute Hintergrundbeschallung, solider Rock, technisch gut, sowie man das von einem Urgestein erwarten kann. Man möchte sich ins Auto setzen und erstmal wegfahren – Roadtrip-Mukke, die einem Retro-Feeling verpasst. Cakey stimmt einen auf die Band ein, und man fragt sich, warum man eigentlich nicht mehr klassischen Rock’n’Roll mit Gitarrensoli anhört. Regretta ist ebenfalls mit schnellem Tempo unterwegs und zeigt deutlich den Retro-Sound des Albums. Der Song Bro Code erinnert an die fast schon Liebesgeschichte zwischen Jack Black und Kyle Gass, die sie im Rahmen des Kunstprodukts Tenacious D in einer beinahe heiligen Weise zelebrieren – die Vocals von Mike Bray und Geigen im Hintergrund verleihen dem Ganzen etwas fast schon episches. Die Liebe zwischen den Bros ist schon etwas ganz Besonderes. Bei Hell or High  glaubt man auf Grund der langen Breaks, dass der Mediaplayer mal wieder abgestürzt ist, aber nein, das ist gewollt so. Blues-Rock der zum Kopf-Nicken einlädt. Ein seichter So-la-la-Song ist Bring her back better, der außer der mit Background-Vocals gesungenen Line “Bring her back better” und dem ausufernden Gitarren-Solo, dem am Ende mit einem Fade sanft das Messer in die Brust gestoßen wird, mit nichts Besonderem aufwarten kann. Bone widerum bringt die Hüften zum schwingen, aber was soll man schon anderes machen, wenn sich der Song um Sex dreht, aber in einer durchaus rhythmische Art und Weise, Südstaatenstyle. Uncle Jazz klingt genauso wie er heißt. Barjazz-Elemente machen das Lounge-Feeling perfekt und so unterscheidet sich der Song stiltechnisch vom Rest des Albums. Mike Bray (Don’t drink the water) bringt einen vom kurzen Ausflug in den Aufzug zurück in die Südstaaten und ist dem Sänger der Kyle Gass Band gewidmet, auch wenn sich KG im Text kurz mal nicht daran erinnern kann, wie man Mike eigentlich ausspricht. Mama’s Ma besinnt sich dann wieder auf die rockigen Wurzeln und Mike Bray kann das volle Potential seiner Stimme zur Geltung bringen, während er eine Hommage an seine Oma zum Besten gibt. Wer bei Gypsy Scroll II: Toot of the Valley beim Refrain nicht mitsingen möchte, der ist selbst schuld. Das Mitten-im-Song-Gelaber erinnert stark an das, was man vom Pick of Destiny-Album von Tenacious D bereits kennt. Leider fragt man sich bei den ersten paar Mal anhören: Was soll denn das? Und das macht das Hörvergnügen kaputt. “We hoped you liked our new album. We had fun making it for you. Maybe it could have been better. But that may or not be true.” Mit diese Worten beginnt der letzte Song von Thundering Herd und setzt selbstironisch und musikalisch flexibel dem Album ein Ende.

Wie eingangs bereits bemerkt, man darf und soll The Kyle Gass Band nicht mit Tenacious D vergleichen, obwohl das in dieser Review mehr als einmal der Fall war. Man kommt leider nicht drumherum, denn Thundering Herd erinnert an vielen Stellen an die Band, an ihren Stil und versucht diesen auch für sich zu adaptieren. Klar, die Texte kommen bezüglich Humor und Eingängigkeit oft nicht an den Klassiker ran, aber für sich allein gestellt, ist es durchaus ein gutes Album, das aber eher Nebenbei-Hör-Charakter hat. Technisch gesehen ist es das, was man erwarten kann. Es ist eine Hommage an verschiedene Stile des Rock’n’Roll in all seinen Facetten. The Kyle Gass Band hat versucht, einige dieser Facetten aufzugreifen und sich zu Nutze zu machen und das auch ganz gut gemacht. Viele Kritiker sind der Meinung, das Album sei eher mäßig, aber dafür ist die Band live sehr geil. Ich bin mal gespannt, denn am Donnerstag, den 8. September werde ich mir selbst einen Eindruck der Live-Fertigkeiten machen: da spielt The Kyle Gass Band im Hirsch in Nürnberg.