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Album der Woche KW50: Brot für die Enten – Robert Alan

Der Magnus Clarsen der Musik

Obwohl Robert mit 13 schon angefangen hat zu rappen und schon Mitglied verschiedener Bands war, hat er die Musik nur teilweise zu seinem beruf gemacht. Denn er ist Kabarettist oder eben präziser formuliert Musikkabarettist. Die meiste Zeit seines Lebens verbringt der Würzburger mit Auftritten in allen deutschen Städten von Goslar über Giebelstadt nach Berlin oder auf Kreuzfahrtschiffen, wo Rentnergruppen die Ehre haben, ihm zu lauschen. Neben seinem eigentlichem Job veröffentlicht Robert seit Jahren Songs und Alben von außergewöhnlich hoher Qualität auf YouTube und Spotify. Robert Alan ist für mich der Magnus Clarsen der Musik. Dieser Name wird wahrscheinlich den Wenigsten etwas sagen. Genau das ist die erste Parallele. Magnus Clarsen ist seit 2013 der amtierende Schachweltmeister. Obwohl er offensichtlich derart talentiert und intelligent ist (die beiden nächsten Parallelen), kennt ihn kaum jemand. Genau das selbe gilt für Robert. Sein Output ist Next-Level-Shit und trotzdem unterhält er damit nur seine 179 monatlichen Spotifyhörer*innen (Stand: 10.12.2019). 

Für mich macht Roberts Musik aus, dass er sich lyrisch nie auf ein bestimmtes Themengebiet fixiert und musikalisch seinem Stil stets treu ist und trotzdem experimentierfreudig bleibt. Auf seinem neuesten Album “Brot für die Enten” singt und rappt Robert über die Bedeutung von Lippenbalsam im Winter, über den Klimawandel, über Weichspüler den Schicksalsschlag von Hammerhaien. Doch nicht nur textlich bieten die Songs eine große Abwechslung, sondern auch musikalisch. Hauptsächlich würde ich Roberts Genre als Indie bezeichnen, einzelne Songs sind Trap- oder Cloudrap (ironisch aber gut), oder auch nur mit dem Klavier begleitet. Robert setzt Autotune ähnlich stilsicher ein wie Trettmann und erinnert musikalisch an den frühen Reinhard Mey, nur mit mehr Synthie Begleitung. Einzelne Songs werden immer wieder in Roberts Kabarettprogramme eingebaut, weshalb viele Lieder auch kabaretttypische Pointen oder Witze enthalten, wie zum Beispiel Pferdepenisse. Darüber hinaus bietet Robert Alans Album “Brot für die Enten” aber noch viel mehr. Fette Synthie Beats, Gitarrensolos, seichte Klavierbegleitungen, kecke und smarte Pointen und gute 16er.Und genau weil die Lyrics so clever, ehrlich und innovativ sind und genau weil die Instrumental reinknallen wie conor mcgregor ist die Platte so gut. Und obwohl die Platte so viele verschiedene Emotionen und Styles zusammenführt, ergibt das Ganze insgesamt so ein einheitliches Bild wie die Kelly Family. 

Der Titel seines Albums “Brot für die Enten” lässt sich dabei als eine Metapher verstehen. Roberts Songs sind das Brot für seine Fans, die Enten. Seit einem Jahr lechzen wir quasi nach neuem Output von ihm und jetzt ist er endlich da. Nach dem Trettmann Konzert in Erlangen am 05. Dezember 2019 habe ich einen Beitrag unter anderem darüber verfasst, wie viel Druck es für Künstler ist, ihre besten Werke immer und immer wieder übertreffen zu müssen. Robert Alan aber übertrifft sich von Jahr zu Jahr, von Lied zu Lied und von Kabarett Programm zu Kabarett Programm so spielend leicht, dass ich mich so langsam frage, wo eigentlich die Grenzen seines Talents gesetzt sind. 

Vor allem 2 Dinge stören mich persönlich jedoch sehr. Erstens ist sein Album nur auf Spotify erhältlich. Man kann dieses Album also nicht in CD, Kassetten oder Vinylform erwerben. Generell will Robert offensichtlich kein Geld mit seiner Musik verdienen und das ist ärgerlich, da dieses Album es wirklich verdient hätte, gekauft zu werden. Zweitens stört mich, dass Robert Alan in ganz Deutschland und sogar auf Schiffen auf Bühnen steht, sein Programm für 2020 aber keinen Halt in der Nähe von Erlangen vorsieht. Am nächsten an uns wird sein Stopp in München sein. Fun Fact: Eine weitere Parallele zu Magnus Clarsen, denn der wird auch nicht nach Erlangen kommen. Auch wenn seine Kabarett Shows überragend sind und ich zu jeder Show gehe, die auch nur halbwegs in unserer Nähe stattfindet, wünschen sich seine Fans wirkliche, echte Konzerte von ihm. Die Songs werden immer nur in ein Kabarett Programm eingebettet. Inzwischen gibt es aber genug großartige Lieder um auf einem Konzert ein 2 stündiges Hitbomardemont hinzulegen. 

Laut meinem Spotify Jahresrückblick habe ich dieses Jahr über 60.000 Minuten Musik gehört. Ich habe fast 1000 neue Künstler entdeckt, die aus ingesamt fast 70 Ländern kommen. Robert Alan hat 25 Tage vor Ende des Jahres für mich das Album des Jahres veröffentlicht. Ich kann nur jeder und jedem von Euch raten, sich Roberts Album “Brot für die Enten” und seinen YouTube Kanal anzusehen.

Autor: Max Schmid