Auch in der Traumwelt von Bridgerton ist die Liebe nicht grenzenlos, sondern eine Frage der Klasse. Eine Bridgerton-Geschichte, die an Cinderella erinnert.

Fast zwei Jahre hat die vierte Staffel der beliebten Bridgerton-Serie auf sich warten lassen. Aber das Warten hat sich gelohnt. Am 29. Januar und am 26. Februar 2026 sind auf Netflix jeweils vier Folgen der neuen Staffel erschienen – voller funkelnder Kleider, prachtvoller Bälle, heiratsfreudiger Debütantinnen und zahlreicher Gentlemen mit wenig vorhersehbaren Absichten.
Die Netflix-Serie spielt inmitten der feinen Gesellschaft Londons im 19. Jahrhundert und basiert auf den acht Romanen der preisgekrönten Autorin Julia Quinn. Jedes Buch – und damit bisher jede Staffel – dreht sich um die Liebesgeschichte eines der acht Bridgerton-Kinder. Außerdem steht die mysteriöse Lady Whistledown im Mittelpunkt, die mit ihrer Klatsch-Kolumne die Londoner Gesellschaft regelmäßig auf den Kopf stellt.
Ein Blick zurück
Für viele treue Zuschauer:innen beginnt das Bridgerton-Fieber in der ersten Staffel mit Daphne Bridgerton und Simon Basset, die sich durch eine gemeinsame Intrige anfreunden und schließlich verlieben. Anschließend folgte die Liebesgeschichte von Anthony Bridgerton und Kate Sharma, in welcher die beiden zuerst Feinde waren und Anthony Kates Schwester Edwina heiraten wollte. Zuletzt durften wir sehen, wie endlich Colin Bridgerton und Penelope Featherington zueinander finden, nachdem ihre Liebe von Beginn an angeteasert wurde. Eines verbindet jedoch alle Staffeln miteinander – die geheimnisvolle Lady Whistledown. Zu Beginn der Serie veröffentlichte sie ihr erstes Klatschblatt und fesselte den gesamten Londoner Adel mit pikanten Neuigkeiten, Drama und Skandalen. Für die Zuschauer:innen entpuppt sich Lady Whistledown am Ende der ersten Staffel als das Mauerblümchen Penelope Featherington.
Zwischen Liebe und Klassengrenzen
In dieser Staffel geht es um die Liebesgeschichte des zweitältesten Bridgerton-Sohns Benedict (Luke Thompson), der sein Leben als Junggeselle genießt und seine Pflichten als Zweitgeborener gerne vernachlässigt. Obwohl Benedict nicht die Absicht hat, sich in dieser Saison zu vermählen, verliebt er sich auf einem Maskenball in eine geheimnisvolle, in Silber gekleidete Dame. Was die Zuschauer:innen im Gegensatz zu Benedict von Beginn an wissen: Sie ist das Dienstmädchen Sophie Baek (Yerin Ha), das sich zuvor heimlich auf den Ball geschlichen hatte.
Die Storyline der vierten Staffel über Benedict Bridgerton und Sophie Baek gleicht von Beginn an stark dem Cinderella-Märchen. Nach dem Tod ihrer Mutter wächst die weibliche Hauptprotagonistin Sophie bei ihrem adligen Vater auf. Dieser heiratet daraufhin eine verwitwete Lady, die zwei Töchter mit in die neue Ehe bringt. Nachdem Sophie ihren Vater verliert, zwingt ihre Stiefmutter sie, als Dienstmädchen im eigenen Haus zu arbeiten. Erst nach einigen Folgen wird klar: Sophies Mutter war ebenfalls ein Dienstmädchen und ihre Beziehung mit Lord Penwood war gesellschaftlich nicht angesehen. Eines Nachts schleicht sich Sophie auf den Maskenball von Violet Bridgerton. Sie trägt ein silbernes Ballkleid, weiße Handschuhe und eine Maske, die ihr Gesicht fast vollständig verdeckt. Als sie den prachtvollen Ballsaal bewundert, verliebt sich Benedict bereits in ihre leuchtenden Augen. Um Mitternacht eilt Sophie jedoch davon, ohne Benedict ihren Namen oder ihre Herkunft zu verraten. Alles, was ihm bleibt, ist der weiße Handschuh – ähnlich wie dem Prinzen nur Cinderellas Schuh blieb. Die Macher der Serie bestätigten bisher zwar nicht offiziell, dass sie sich von dem bekannten Märchen inspirieren ließen, die Magie ist aber zweifelsfrei die gleiche.
Benedict erkennt das Offensichtliche nicht
Nach Veröffentlichung der ersten vier Folgen geht es vor allem um eines: Warum erkennt Benedict Sophie nicht?
Nach dem Ball sucht Benedict verzweifelt nach der “Dame in Silber” – Sophie will jedoch nicht gefunden werden, oder besser gesagt: sie darf es nicht. Ihr ist bewusst, eine öffentliche Liebesbeziehung zwischen den beiden wäre unmöglich und würde für Benedict den gesellschaftlichen Ruin bedeuten. Durch eine Reihe zufälliger Geschehnisse landet Sophie gemeinsam mit Benedict auf dessen Landsitz. Sie verlieben sich, aber Benedict denkt immer noch an die Dame in Silber, ohne zu merken, dass sie bereits seit Wochen Zeit mit ihm verbringt. Unter den Posts des offiziellen Serien-Kanals auf Instagram kommentieren Fans immer wieder, dass sie nicht verstehen können, wieso Benedict Sophie nicht erkennt. Im Laufe der Staffel wird jedoch klar: Bedienstete sind in der feinen Gesellschaft unscheinbar und werden kaum wahrgenommen. Benedict kommt es also vermutlich erst gar nicht in den Sinn, dass sie sich auf einen Maskenball hätte schleichen können. Und auch, wenn die Bridgertons sonst als Verfechter der grenzenlosen Liebe dargestellt werden, stellt die Klassenzugehörigkeit für einige Mitglieder der Familie sehr wohl eine Grenze dar. Bis zum Ende der Staffel bleibt offen, ob ein Happy End diesmal überhaupt möglich sein kann. Doch so viel sei gesagt: Die Lösung, die Familie Bridgerton findet, ist eine ganz andere, als man sie vielleicht von der feinen Gesellschaft erwartet hätte.
Warum Benedicts Beziehung nicht weniger queer ist
Die dritte Staffel der Serie thematisiert Benedicts Bisexualität und wie er selbst völlig unkompliziert damit umgeht. In der aktuellen Staffel zeigen sich die Fans der queeren Community jedoch enttäuscht, wie das Modemagazin Glamour berichtet. Denn in der Staffel um Benedicts Liebesgeschichte wird genau diese Seite an ihm vergessen. Zumindest scheint es so. Möglicherweise könnte genau das jedoch auch als Stilmittel eingesetzt worden sein. Bisexuelle Menschen werden oft von der Gesellschaft in Schubladen gesteckt, aus denen sie sich eigentlich befreien wollten – unter anderem von der eigenen Community. Bridgerton zeigt genau das: Auch wenn Benedict sich in eine Frau verliebt, ändert das nichts an seiner eigenen Sexualität. Und damit ist die Staffel vielleicht queerer als wir denken.
Wer ist der oder die nächste?
Ob Eloise, Francesca, Gregory oder Hyacinth – ich denke wir alle freuen uns jetzt schon auf den nächsten Teil der Bridgerton Reihe. Friends to Lovers, Enemies to Lovers oder mal ganz was anderes? Wir können uns sicher sein, dass Drama und Glamour nicht fehlen werden.
Insgesamt war die vierte Staffel Bridgerton genauso zauberhaft wie die Vorherigen, auch wenn Lady Whistledown diesmal nicht mehr die größte Rolle einnimmt. Eine moderne, spannende Handlung verknüpft mit den Standards des 19. Jahrhunderts, in der die Liebe die Hauptrolle spielt.
Autorin: Marie Schüler

