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Interview und Nachbericht: GLORIA

Mittlerweile keine Breaking News mehr: Klaas Heufer-Umlauf, hauptsächlich bekannt als Fernsehmoderator, zumeist im Duo mit Joko Winterscheidt, macht Musik. Mark Tavassol, ehemaliger Bassist und Gitarrist der 2012 aufgelösten Band Wir sind Helden, sitzt mit im Boot. Seit 2013 haben sie unter dem Namen GLORIA gemeinsam drei Alben rausgebracht, Touren gespielt und auch ihr Glück beim Bundesvision Song Contest versucht.

Ihr aktuelles Album mit dem reduzierten Titel DA kam am 13. Oktober 2017 auf den Markt, logischer Anschluss an das Release war eine Deutschlandtour, die Klaas und Mark nun zum ersten Mal auch nach Erlangen geführt hat.

Im gut gefüllten E-Werk begrüßte zunächst der Support EMMA6 das bunt gemischte Publikum. Mit Mark Tavassol ist die Indieband beruflich schon länger verbunden, kein Wunder also, dass sie musikalisch gut mit dem Hauptact harmonierten: poppig-ruhig, die Texte von Bildern durchzogen und melancholisch angehaucht. Leider war das meiner Meinung nach als Stimmungsmacher, als Aufwärmer für den Abend, aber nicht ganz geeignet, obwohl mir die Musik von EMMA6 im Grunde gefallen hat. Ich hätte mir an der Stelle einfach ein wenig mehr Krach, tatsächlich inhaltlich auch ein wenig leichtere Kost gewünscht.

Umbaupause. Genug Zeit, das Bier leer zu machen. Dann endlich passierte der Teil des Abends, für den wir da waren. Auftritt GLORIA.

Sie eröffneten mit der ersten, namensgebenden Singleauskopplung vom neuen Album DA, die ihr auch in unserem funklust-Stream hören könnt: Immer Noch Da. Das Publikum versank in Glückseligkeit, was nicht zuletzt wohl auch an der erfrischenden, positiven Ausstrahlung von Sänger Klaas lag. Seine gute Laune steckte an, vermutlich auch den letzten Skeptiker, der einfach mal gucken wollte, was der Typ aus dem Fernsehen musikalisch so drauf hat. GLORIA spielten ihre Songs mit so einer Selbstverständlichkeit, dass gar keine Chance für Zweifel an der Tauglichkeit dieser Bandkonstellation blieb. Klaas, Mark und ihre vier ergänzenden Musiker schlugen die lauten und leisen Töne an, machten einen Querschnitt durch alle drei bisher erschienenen Alben und spielten auch den Wir sind Helden Song Wenn Es Passiert – der vom Publikum genau so gefeiert wurde, wie GLORIAs eigene Songs. Man hätte also fast sagen können: Egal was die Jungs abliefern, die Fans sind mit Leib und Seele dabei.

Das nutzte die Band auch, um ein paar politische Worte ans Publikum zu richten. Mark verriet mir schon im Interview vor dem Konzert, es würde sie auf gewisse Weise irritieren, wenn große Bands vor Stadien spielen und da nicht ein einziges politisch versöhnendes Wort sprechen. Diese Chance ließen GLORIA selbst auf der Erlanger Bühne aber nicht liegen. Klaas mahnte, es reiche nicht mehr, nur zu Hause zu sitzen, und nicht rechts zu sein, man müsse aktiv werden.

Aktiv im Sinne von hüpfend, tanzend und überhaupt beweglich, war auch Klaas’ Performance im Vergleich zur vorigen Tour 2015/16, wo einen eher das Gefühl beschlich, er müsse sich am Mikro festklammern, um nicht umzufallen. Und wenn man schon anfängt, Vergleiche zu ziehen, darf auch erwähnt werden, dass die Anekdoten in ihrem Bühnenrepertoire mal ausgemistet und durch was Frisches ersetzt werden müssten; denn bis auf lokale Auffälligkeiten, wie beispielsweise das Restaurant Hühnertod gegenüber vom E-Werk, kannte man die Geschichten schon, wenn man auf dieser oder der letzten Tour schon mal da war. Aber das sind Luxusprobleme.

Nach zwei Zugaben und insgesamt 90 Minuten Show war der Abend dann nämlich für mich genau das, was Klaas zwischenzeitlich prophezeit hatte: Eine Investition in die persönliche Gedächtniszukunft.

Rubrik: Musik
Autorin: Svenja Dahmen
Erstausstrahlung: 30.01.2018