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Album der Woche KW47: Alles ohne Strom – Die Toten Hosen

Bereits 2005 ließen Die Toten Hosen erstmals ihre Gitarrenverstärker ruhen und veröffentlichten mit „Nur zu Besuch – Unplugged im Wiener Burgtheater“ den Mitschnitt eines rein akustischen Konzertes. 14 Jahre und unzählige Lieder später ist nun unter dem Titel „Alles ohne Strom“ ebenfalls ein Akustikalbum und eine DVD/Blu-ray erschienen. Wieder ein Akustikalbum? Ja, allerdings als eine Weiterentwicklung des alten Konzeptes. Es geht nicht nur um reduzierte, unverstärkte Versionen ihrer eigenen Lieder, sondern vielmehr um das Einbringen neuer Instrumente und bislang noch nicht dagewesener Interpretationen des bekannten Materials. Die Toten Hosen wollten schon von Beginn an eigentlich immer eine Big Band sein, dieser Idee sind sie vielleicht noch nie so nah gekommen wie hier. Die Aufnahmen in 16-köpfiger Besetzung dazu entstanden im Sommer 2019 bei zwei Auftritten in der legendären Düsseldorfer Tonhalle.

Die Toten Hosen beschreiben selbst ihr Album als ein großes Abenteuer und als ein Versuch, ihre eigenen Lieder noch einmal neu zu entdecken. Mit den Coverversionen von Rammstein, den Foo Fighters und weiteren möchten sie ihren Kollegen und deren Arbeit große Wertschätzung entgegenbringen. Trotz Bläsern und Streichern sind die bekannten Lieder noch klar erkennbar, auch wenn damit ihr ursprünglich lauter Punkrockstil etwas verloren geht. Gerade den Krachern wie „Das ist der Moment“ und „1000 gute Gründe“ steht jedoch die melancholischere Herangehensweise gut.

Dazu kommen vier neue Songs, die das Hosen-Spektrum schön abdecken: vom Liebeslied („Kamikaze“) über Feierlaune samt Kater („Sorgenbrecher“, „Feiern im Regen“) bis zum rührenden Stück „Schwere(los)“, der Geschichte einer Auschwitz-Überlebenden. »Alles ohne Strom« wirft einen interessanten Blick auf das Werk der Toten Hosen und zeigt, dass Punkrock nicht unbedingt laut sein muss. Auf der DVD, die am 22. November erschienen ist, gibt es noch etliche Lieder mehr – darunter eine, sagen wir, ungewöhnliche Coverversion von „Love Is In The Air“.

Autorin: Theresa Larsen