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Album der Woche: Ice Nine Kills – Welcome To Horrorwood: Under Fire (Deluxe Edition)

Ice Nine Kills melden sich pünktlich zu Halloween zurück mit dem neuen Album „Welcome to Horrorwood: Under Fire.“ Unsere Redakteurin Viktoria hat sich damit auseinandergesetzt, was die Deluxe Edition zu bieten hat.

Bild: Jonathan Weiner

Ja, wirklich neu ist das Album von Ice Nine Kills, das am 20. Oktober erschienen ist, nicht. Bis auf drei neue Songs und eine komplette Orchester-Version des Albums sind die Songs fast identisch mit dem Vorgängeralbum „The Silver Scream 2: Welcome to Horrorwood.“ Dafür bietet das Album in der Deluxe Edition viel neuen Merch, der Fans der Band sicher begeistern wird.

Das Album bietet musikalisch eine gute Mischung aus langsamen, weniger melodischen Strophen, die hauptsächlich Screams enthalten, und schnelleren, dafür aber umso melodischeren Refrains. Und diese Refrains haben dann in der Kombination mit recht einfach gehaltenem Text wirklich Ohrwurmpotential. Gleichzeitig gibt es auch Songs, die durch ihren anderen Aufbau Abwechslung in das Album bringen. Beispielsweise beginnen sowohl „Welcome to Horrorwood“ als auch „Farewell to Flesh“ mit einem melodischen Klavierintro, das sehr stark an Broadway-Musicals erinnert, bevor dieses dann durch harte Screams unterbrochen wird und harte Gitarrensounds die Führung übernehmen. Die einzige musikalische Ausnahme und der gleichzeitig härteste Song auf dem Album ist „Take Your Pick.“ In diesem Song wird unter anderem der Sänger von Corpsegrinder gefeatured, der mit seinem tiefen Growlen einen starken Kontrast zu den restlichen Songs auf dem Album bietet. 

Thematisch dreht sich das Album, wie auch die Vorgänger, um Horrorfilme. So wurden im Vorgängeralbum beispielsweise „Freitag der 13.“ mit dem Song “Thank God It’s Friday“ und „The Texas Chain Saw Massacre” im Song „Savages“ musikalisch und textlich referenziert. Das gelingt in diesem Album wie auch im vorangegangenen Album sehr gut. So ist in „Thank God It’s Friday“ im Refrain die Referenz „You just scratched the surface of the curse of Crystal Lake” zu finden. Das ist eine klar Anspielung auf den See, der im Film vorkommt, in welchem der Protagonist Jason ertrunken sein soll. Dadurch, dass die Songs die wichtigsten Aspekte des Filminhaltes komprimiert darstellen, ist immer ganz klar verständlich, auf welchen Film angespielt werden soll. Auch auf dem Nachfolgealbum “Welcome to Horrorwood: Under Fire“ findet man dieses Prinzip. Beispielsweise wird die zwiegespaltene Persönlichkeit des Protagonisten in „The Shower Scene“ besonders durch die Zeile „I’m so sick of cleaning up her mess“ einfach perfekt zusammengefasst. 

Es bleibt die Frage, was ist nun wirklich neu an diesem Album?

 Es ist der Song „Meat and Greet“, der auf den Film “Das Schweigen der Lämmer“ anspielt und gleichzeitig das letzte Puzzleteil eines übergeordneten Konzeptes ist. Der Grundstein dieses Konzepts wird im ersten Horroralbum der Band gelegt. Der Sänger Spencer tritt dort in einigen Musikvideos als Serienmörder auf. Diese Auftritte sind auf wenige Musikvideos beschränkt, bilden nacheinander jedoch eine kohärente Geschichte. Im ersten Album gipfeln diese darin, dass der Sänger seine Ex-Freundin umbringt. Mit dem neuen Song “Meat and Greet” wird diese Geschichte dann aufgeklärt und beendet. In den Musikvideos zum neuen Album “Welcome to Horrorwood: Under Fire” werden die Musikvideos als Beweismaterial herangezogen, warum und wie Spencer seine Ex-Freundin umgebracht haben könnte und das durch die Musik verarbeitet. Der Song „Meat and Greet“ selbst liefert jedoch neben der Auflösung des Mordfalles nicht viel Neues. Der Text orientiert sich auch hier thematisch an den Inhalten des Films und musikalisch ist der Song ähnlich zu den anderen Songs aufgebaut.

Insgesamt habe ich wenig an dem Album auszusetzen. Es ist ein solides Nachfolgealbum zu „The Silver Scream“ und bietet im Vergleich zu „The Silver Scream 2: Welcome to Horrorwood“ ein paar zusätzliche Features und Merch, den vor allem Fans der Band lieben werden. Alle Songs bestechen vor allem durch die Umsetzung des Textes und die Referenzen zu den einzelnen Horrorfilmen. Die eingängig gestalteten Refrains sind das Sahnehäubchen, das das Album zu einem sehr guten Album macht. Auch die dazugehörigen Musikvideos, die man definitiv gesehen haben sollte, sind kinematografisch großartig umgesetzt und sind besonders in diesem Album besonders blutig und brutal.

Es gibt nur zwei Kritikpunkte, die an das Album gestellt werden können. Zum einen finde ich es schade, dass nicht jeder Song einen Horrorfilm behandelt. “Welcome to Horrorwood” spielt beispielsweise nicht auf einen expliziten Film an, sondern bedient sich lediglich im Musikvideo an Horror-Elementen. Damit ist das Album – meiner Meinung nach – nicht konsequent genug umgesetzt, um als Horror-Album durchzugehen. Gleichzeitig funktioniert es so vermutlich für Personen, die keine Horrorfilme mögen, besser. Ein weiterer Kritikpunkt, der aber wirklich Jammern auf hohem Niveau ist, ist, dass die Songs leider nur in Kombination mit ihren Musikvideos funktionieren. Das heißt, dass das Album wirklich so gehört werden sollte, wie es die Setlist vorgibt. Als jemand, der unglaublich gerne Playlisten erstellt, macht es das super-schwierig, die Songs zu integrieren, da sie im Album besser funktionieren als einzeln. Wer aber gerne Alben am Stück hört, der wird hier auf jeden Fall auf seine Kosten kommen. 

Für mich ist das Album “Welcome to Horrorwood: Under Fire” ein Album, an dem Fans von Horrorfilmen definitiv ihren Spaß haben werden. Darüber hinaus sollte es bei keiner Halloween-Feier in der Playlist fehlen!

Autorin: Viktoria Endres