Pick Me Girl. Seit 2022 kommt er in Google-Suchen vermehrt vor. Diejenigen, die den Begriff kennen, wissen, dass es sich hier um Frauen handelt, die andere Frauen runter machen, um selbst gut dazustehen. Aber was steckt genau dahinter?

“Pick-Me“ der Name ist Programm
Stumpf übersetzt bedeutet der Begriff: „Nimm mich“ oder „Entscheide dich für mich“. Die Frauen, die man so bezeichnet, möchten speziell von Männern ausgewählt werden und zusätzlich besser wirken als andere Frauen. Es kommt zu Kommentaren wie: „Ich bin anders als die anderen!“. Ein „Pick-Me Girl“ ist also eine weibliche Person, die aktiv versucht sich von anderen Frauen und stereotypisch weiblich gelesenen Aktivitäten abzugrenzen, um von Männern gemocht zu werden. In der Arztserie „Grey‘s Anatomie“, wurde eine Szene zum Sinnbild des Phänomens „Pick Me“ vermehrt geteilt. Darin bittet Meredith Grey ihren Schwarm Derek Sheperd darum, sie zu wählen und zu lieben anstelle ihrer Kollegin. „Pick me, choose me, love me.“ Laut der Sprachforscherin Maria Rechkemmer ist dieser virale Ausschnitt größtenteils für die Bedeutsamkeit der Bezeichnung „Pick Me“ verantwortlich.
Wieso willst du gewählt werden?
Die Existenz von Frauen sowie stereotypisch weiblichen Aktivitäten wie sich schminken, freundlich
und empathisch zu sein oder zu weinen wird in der patriarchalen Gesellschaft als minderwertig im
Vergleich zu dem männlichen Idealbild angesehen. Dementsprechend werden die Meinungen von
Männern als ausschlaggebender angesehen. Weiblichkeit steht also in der Gesellschaft für das
schwächere Geschlecht.
Pick Me Girls wollen genau dieser Struktur entsprechen und verorten sich somit unter dem anderen Geschlecht. Die Meinung und vor allem der Zuspruch von anderen Männern ist ihnen sehr wichtig wobei sie sich gezielt von anderen Frauen und dem gesellschaftlichen Bild der Weiblichkeit abgrenzen. Dieser Aspekt zeigt, dass sich hinter der Frau oder dem Mädchen, das sich so verhält, mehr verbirgt als es scheint. Es geht um Unsicherheit, geringes Selbstvertrauen und den Wunsch dazu zugehören. Es kommt zu Äußerungen wie: „Ich bin ganz anderes als die anderen Frauen nicht so typisch weiblich.“ Oder „Frauen sind einfach viel anstrengender als Männer, deswegen habe ich mehr männliche Freunde.“ Dabei wirken sie meist unangenehm und unverständlich jedoch entspricht ihr Verhalten dem Kerngedanken des Patriachats. Zwar ist dies der einfachere Weg, anstatt sich gegen das gesellschaftliche System zu wehren, allerdings auch einer, der das Patriarchat am Leben hält und somit diese männliche Hierarchie weiterhin rechtfertigt. Es geht um Unsicherheit, geringes Selbstvertrauen und den Wunsch dazu zugehören. Etwas, das eigentlich jeder Mensch kennt. Trotzdem ist es wichtig, diesen Frauen klar zumachen, dass sie mit ihrem Verhalten genau die gleichen negativen Gefühle in anderen Frauen auslösen können.
Social-Media-Trend – alles nur Spaß?
Vor allem auf Social-Media ist das Thema „Pick Me Girl” im Trend. Unter dem # pick-me laden weibliche sowie männliche Influencer:innen Videos hoch, in denen die Verhaltensweisen von sogenannten Pick Me Girls humorvoll und überspitzt dargestellt werden. Die Kommentare zeigen, dass diese Art von Frauen sehr unangenehm zu sein scheint und dass die meisten genau solche Verhaltensweisen aus ihrem Umfeld zu kennen scheinen.
Ich bin wie die anderen Frauen!
Eine Art das Problem des Pick Me Girls aufzulösen ist, Frauen in ihrer Weiblichkeit zu bestärken. Ein Beispiel dafür ist der Hashtag #i-am-like-the-other-girls (Ich bin wie andere Frauen) der die Gegenbewegung zum Pick-Me Trend darstellt und sich gegen frauenfeindliches Verhalten jeglicher
Art sowie für weibliches Selbstbewusstsein einsetzt. Anstatt sich für den einfacheren Weg zu entscheiden und sich von seinem Geschlecht abzugrenzen ist hier das Ziel als Frauen für und mit anderen Frauen Gemeinschaften zu schließen und zusammen gegen die patriarchalen Strukturen anzukämpfen.
Autorin: Clara Scheele

