Liebe, Schmerz und alles dazwischen – ihr drittes Album zeigt Olivia Rodrigo von einer neuen, erwachseneren Seite. Nach SOUR und GUTS nimmt sie uns mit vom ersten Date bis hin zur bitteren Trennung.

Mit drei Grammy-Titeln, vier MTV-Video-Music-Awards und sieben Billboard-Music-Awards ist Olivia Rodrigo kein unbeschriebenes Blatt mehr. Mit ihrem ersten Album SOUR schaffte sie den Sprung von der Schauspielerin zum Popstar und hat sich in dieser Rolle mittlerweile auch mehr als bewiesen. Nach zwei Headlining Tours und unzähligen Festival-Performances ist sie jetzt zurück mit ihrem dritten Studioalbum you seem pretty sad for a girl so in love.
In diesem Album dreht sich alles um eine einzige Beziehung, die chronologisch von Anfang bis Ende erzählt wird. In drop dead, der ersten Single und dem ersten Song des Albums, sind die Glücksgefühle hoch. Sie nimmt uns mit in ihre Gedanken, ihre Aufregung über die blühende Beziehung ist spürbar. Unterstützt wird dieser Eindruck der aufregenden, naiven Liebe durch das Musikvideo, indem sie nachts allein durch das Schloss von Versailles rennt. Die Zeile “Kiss me and I might drop dead” wirkt hier gleichzeitig wie eine romantische Hyperbel und eine Andeutung des kommenden Herzschmerzes.
Es folgt eine Reihe an Liebessongs, stupid song, honeybee, maggots for brains, u + me = <3, die stetig immer mehr unterschwellige Probleme verraten. Mit my way wird deutlich gemacht, dass äußere Einflüsse zum Problem werden können, wie in diesem Song mit einer anderen Frau, die sich in die Beziehung einmischt. Und dann purple. Die Stille vor dem Sturm. Ein wunderschönes Liebeslied bis in der Bridge die Zweifel lauter werden: “Melt with you ’til it all turns black; Melt with you ’til it just feels sad“.
Damit ist die A-Seite der Schallplatte ausgelaufen und man sitzt in einer beklemmenden Neugier. Nach dem Wenden der Platte spielt the cure. Die zweite Single und der Anfang des zweiten Teils des Albums. Das Album, erst eine Beschreibung einer intensiven Liebesgeschichte, wird zu einem Tagebucheintrag über den Tod dieser. Mit the cure kommt sie zu der Erkenntnis, dass diese große Liebe nicht alle ihre Probleme lösen kann – sie nicht vor sich selbst retten kann. Von hier an zerbricht die perfekte Beziehung zu einer Scherbenlandschaft auf die Olivia im letzten Song cigarette smoke nachdenklich zurückblickt.
Die Thematik des Albums wird perfekt unterstützt durch ihre neue Musikrichtung. Ihr typischer Pop Sound wird ergänzt durch den Post-Punk der 70er, die Romantik der 80er und Alternative Rock der 90er. Neblig, dreamy und viel Synth. Ein Sound der die Mischung von Liebe und Schmerz auf den Punkt bringt. Wer sich vorstellen kann, mit der Pop-Version von Bands wie The Smashing Pumpkins, The Cranberries und natürlich The Cure etwas anfangen zu können, ist hier genau richtig.
Und wo wir gerade von The Cure sprechen: Auf diesem Album ist zum ersten Mal ein Feature und das mit dem Frontman der Band Robert Smith. What’s wrong with me ist ein Ausreißer in der Menge von unstimmigen und schrägen Duetts. Eine Kollaboration, die es in sich hat. Das Lied beschreibt den Umschwung vom leisen Hinterfragen der Beziehung zu der klaren Realisation: Du bist, was mit mir nicht stimmt. Durch die sich ergänzenden Stimmen von Olivia und Robert wird eine melancholische und trotzdem hoffnungsvolle Stimmung erzeugt, die zu einem weiteren Highlight des Albums wird.
Olivia Rodrigo beweist, dass sie all den Hype und Ruhm der letzten Jahre mehr als verdient. Sie zeigt, dass sie aus einem Thema wie der Liebe, über das seit Jahrtausenden geschrieben und gesungen wird, immer noch ein neues komplexes Projekt machen kann. Ein Album komplett mit individuellem Sound, beeindruckender visueller Identität und wundervoll introspektiven, ehrlichen Texten.
Ein Pop Album auf höchstem Niveau, bei dem es sich wirklich lohnt es einmal komplett durchzuhören… und dann noch ein zweites Mal.
Autorin: Katie Neumann

