Bis zu 200.000 Besucher und Besucherinnen stöberten sich am 11. und 12. September wieder durch die Nürnberger Altstadt. Anlass war der größte Innenstadt-Flohmarkt Deutschlands – der Nürnberger Trempelmarkt.

Ob einzigartige Möbelstücke, besondere Antiquitäten oder altes Porzellan. Wie jedes Jahr, verwandelten sich die Altstadt-Gassen am zweiten Septemberwochenende wieder in wahre Schatzkisten. Rund 4000 professionelle und private Händler und Händlerinnen stellten hier ihre Raritäten aus und luden zum Kaufen und Handeln ein. Das Marktgeschehen findet jährlich zweimal statt, einmal im Mai und einmal im September. Insgesamt zieht es sich vom Hauptmarkt über die Frauenkirche, die Museumsbrücke bis in die Karolinen-, König- und Kaiserstraße sowie zum Lorenzer Platz.
Das Trempeln, Trödeln und Handeln hat Tradition
Schon vor über 400 Jahren trafen sich Händler im Innenhof des Alten Rathauses auf der Pegnitzinsel, um Altes und Gebrauchtes zu verkaufen. Da der Innenhof kaum Platz bot, konnten die Händler ihre Waren nur auf sehr kleinen Flächen auslegen, den sogenannten “Trempala”. Der Begriff hat sich etabliert, denn heute spricht man in der Region von “trempeln”, wenn auf dem Flohmarkt gefeilscht und gehandelt wird.
1971 fand dann der erste Trempelmarkt statt, so wie man ihn heute kennt. Angestoßen und verwirklicht wurde die Idee eines Trödelmarktes anlässlich des 500. Geburtstags von Albrecht Dürer. Anfangs fand die Veranstaltung dreimal im Jahr an einem Tag statt. Aufgrund der Beliebtheit wurde das später auf zweimal zwei Tage im Jahr geändert.
Alle Lichter aus
Eine Besonderheit des Trempelmarkts ist das nächtliche Markttreiben am Freitag. Bis Mitternacht können Besucher und Besucherinnen durch die Stände bummeln und nach außergewöhnlichen Fundstücken suchen. Dieses Jahr fiel der 11. September mit der Earth Night zusammen, einer bundesweiten Aktion, bei der für eine Nacht jegliche künstliche Beleuchtung abgeschaltet wird, um auf das Problem der Lichtverschmutzung aufmerksam zu machen. In Nürnberg wurde vor allem auf die Beleuchtung zahlreicher Denkmäler und historischer Bauwerke verzichtet. Die Händler und Händlerinnen wurden schon im Voraus von der Stadt informiert und konnten sich so um ihre eigenen Lichtquellen kümmern. Die fehlende Beleuchtung beeinträchtigte die Atmosphäre des Trempelmarkts nicht, sondern machte sie noch eindrucksvoller.
Die Kindertrempelzonen
Auch dieses Jahr gab es wieder Flächen für die jungen Verkäufer und Verkäuferinnen im Schmuckhof, auf dem Hauptmarkt und auf dem Fünferplatz. In den sogenannten Kindertrempelzonen konnten Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 15 Jahren ihre aussortierten Spielsachen, Bücher oder Kleidung verkaufen und dabei selbst in die Rolle von Händlerinnen und Händlern schlüpfen. Die Stadt stellte die jeweils 1 m² großen Verkaufsflächen kostenlos und ohne Anmeldung zur Verfügung. Wer sich einen Platz sichern wollte, musste allerdings schnell sein, denn die Flächen waren begehrt.
Warum ist der Trempelmarkt so beliebt?
Wer über den Markt schlendert, weiß nie genau, was ihn am nächsten Stand erwartet. Zwischen Vintage-Schätzen, Sammlerstücken, Alltagsgegenständen und Kuriositäten gibt es immer wieder Unerwartetes zu entdecken. Gerade diese Vielfalt macht für viele den Reiz des Trempelns aus. Gleichzeitig sorgt die historische Kulisse der Nürnberger Altstadt für eine besondere Atmosphäre, die den Markt von vielen anderen Flohmärkten unterscheidet. Hier treffen Menschen unterschiedlichster Generationen aufeinander, kommen ins Gespräch, handeln über Preise oder tauschen Geschichten über die angebotenen Gegenstände aus. Der Trempelmarkt steht zudem für gelebte Nachhaltigkeit. Zahlreiche Gegenstände, die andernfalls ungenutzt geblieben oder entsorgt worden wären, erhalten hier eine zweite Chance. Durch den Kauf und Verkauf gebrauchter Waren werden Ressourcen geschont, Abfall vermieden und die Lebensdauer von Produkten verlängert.
Auch im kommenden Jahr dürfen sich Besucher und Besucherinnen wieder auf den bekannten Markt freuen. Er findet wie gewohnt an den zweiten Wochenenden im Mai und im September statt, vom 07.-08.05.2027 und 10.-11.09.2027. Wer bis dahin nicht auf das Stöbern nach besonderen Fundstücken verzichten möchte, kann die Zeit bei den folgenden Flohmärkten überbrücken:
Flohmarkt am Bohlenplatz, Erlangen: 07.11.2026 & 05.12.2026
Second Soul Flohmarkt, Nürnberg: 07.11.2026
Flohmarkt am Flughafen, Nürnberg: Jeden Samstag
Autorin: Hannah Kottwitz

