web

Album der Woche KW 21: Janelle Monaé – Dirty Computer

Album der Woche, Musik, Musiktipp, Review, Janelle MonaéAuf die Frage welcher Künstler die größte Inspiration für ihre Musik liefere gibt es für Janelle Monaé nur eine Antwort: Prince. Vermutlich klingen aus genau diesem Grund die ersten Tracks auf Dirty Computer, dem neuen und mittlerweile dritten Studioalbum der Amerikanerin, verdächtig nach 80er-Jahre Funk. Je weiter die Liste der insgesamt 14 Tracks aber durchläuft, desto mehr Verschwimmen die Grenzen – inhaltlich wie musikalisch. Zwischen locker anmutenden Disco-Vibes und starken Rap-Elementen liefert Janelle Monaé lyrisch eine Abhandlung über gängige Geschlechteridentitäten und deren Obsoleszenz.

In einem Interview mit dem amerikanischen Radiosender Hot 97 erklärte sie kurz nach Veröffentlichung des Albums, dass alle Menschen eigentlich Computer seien und zog so die Verbindung zu ihrem Albumtitel: Das Gehirn lädt Informationen hoch und wieder runter, bekommt Informationen und gibt sie weiter. Wie jeder Computer habe aber auch jeder Mensch seine kleinen Bugs und Viren, nicht alles funktioniere immer perfekt.

Solche menschlichen Systemfehler sind laut Janelle Monaé Attribute wie Teil einer ethnischen Minderheit zu sein, eine andere sexuelle Orientierung zu haben, arm zu sein oder schlichtweg eine Frau – alles was Teile der Gesellschaft als „minderwertig“ bezeichnen würden. Genau diese „Fehler“ will sie ins Gespräch bringen. Ihr ultimatives Ziel ist dabei, dass sich Menschen irgendwann genau darüber Identifizieren anstatt sich zu schämen. Besonders stark klingt das auf den Titeln Django Jane und Pynk durch.

Janelle Monaé selbst hat sich vor einer Weile als pansexuell geoutet. Anders als bei Bisexualität, die zwischen dem „eigenen“ und dem „anderen“ Geschlecht unterscheidet, schreibt die Pansexuallität Geschlechteridentitäten überhaupt keine Rolle zu.

Als afro-amerikanische, pansexuelle Frau zählt Janelle Monaé so viele „Systemfehler“, dass jeder prüde Südstaaten-Redneck sie als „Dirty Computer“ vermutlich im hohen Bogen aus dem Fenster werfen würde. Doch anstatt sich damit abzufinden, besteigt sie als Django Jane im dazugehörigen Musikvideo stolz den Thron ihres Palastes und feuert auf I got the Juice mit den Worten

If you try to grab my pussy cat, this pussy grab you back

deutliche Schüsse an den Mann, der Amerika wieder groß machen will.

So steht sie selbst als Exempel für das, was sie mit Dirty Computer erreichen möchte und liefert auf unserem Album der Woche in 14 Titeln eine gelungene Anleitung zu Selbstliebe und Selbstbewusstsein für alle die mit ihrer Identitätsfindung zu kämpfen haben.

Autor: Laura Oberbüscher