Undichte Fenster, kaputte Heizungen, zusammenbrechende Stühle – Zustände an der FAU gleichen teilweise einer Ruine. Die Initiative „FAU zerfällt“ kämpft dafür, diese Zustände zu ändern.

Der Ministerpräsident des Freistaates Bayern prahlt regelmäßig in seinen politischen Reden mit der bayerischen Bildung – aber ist eine optimale Bildung unter solchen baulichen Umständen überhaupt möglich?
Fragt man die Studierenden der Friedrich-Alexander-Universität, ist die Antwort ganz klar: Nein. Auf der Internetseite der Initiative “PhilFak zerfällt” heißt es, dass 77% der Gebäude als dringend sanierungsbedürftig gelten und die Mittel für den Bauunterhalt trotzdem seit zehn Jahren nicht erhöht wurden. Da weder der Freistaat noch die Universitätsleitung etwas an den Zuständen änderten, schlossen sich Ende letzten Jahres einige Studierende zusammen, um der Politik Druck zu machen und gründeten den Arbeitskreis “FAU zerfällt”. Die Initiative ist ein Zusammenschluss aus Studierenden und Beschäftigten der Universität Erlangen-Nürnberg. Ihr Ziel ist es, durch Aktionen und Proteste auf den Zustand der Gebäude aufmerksam zu machen, die Sanierung voranzutreiben und politische Versäumnisse klar zu benennen.
Auslöser der Aktion war vor allem die Situation an der Philosophischen Fakultät. Kaputte Toiletten, tropfende Decken und ein hoher PCB-Wert in einigen Gebäuden schränken den Lernerfolg enorm ein. Die kaputte Eingangstür am C-Turm in der Bismarckstraße brachte schließlich das Fass zum Überlaufen. Nachdem die Universität einen Zettel an die Tür klebte mit der Aufschrift “Tür defekt, Ersatzteil bestellt”, monatelang jedoch nichts passierte, begannen Studierende Memes dazu zu kleben, die sich über die Situation lustig machen sollten. Die Memes wurden zwar immer wieder entfernt, doch das hielt die Studierenden nicht davon ab, neue zu platzieren. Bilder der beklebten bunten Tür wurden zahlreich in den sozialen Medien geteilt und vermutlich alle kennen sie mittlerweile.
Infolgedessen organisierte die Fachschaftsvertretung der philosophischen Fakultät eine studentische Vollversammlung mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit des Dekans zu erlangen und sich gemeinsam über die Probleme auszutauschen. Die Versammlung nahm großen Erfolg und die Initiative “Philfak zerfällt”, Vorläufer des aktuellen Arbeitskreises, konnte gemeinsam mit den GEW-Studierenden gegründet werden. Daraufhin erlangte die Bausituation der Uni mediale Aufmerksamkeit. Studierende der Naturwissenschaftlichen Fakultät wurden vom Bayerischen Rundfunk und vom Deutschlandfunk besucht und interviewt. Sie wurden Teil einer großen Kampagne. So gelangten die strukturellen Probleme
der Universität erstmals an die Öffentlichkeit.
Im nächsten Schritt fand eine Krisensitzung mit dem Dekan und dem Kanzler der Universität an den beiden betroffenen Fakultäten statt, um so viele Studierende wie möglich zu erreichen. Für die Krisensitzung wurde mit dem Slogan geworben: “Hier entsteht Kultur. Vor allem Schimmelkulturen.”. Anschließend gründete sich schließlich der neue Arbeitskreis der StuVe “FAU zerfällt”, dessen Mitgliederzahl fortlaufend wächst.
Um mit ihren Forderungen erneut an die Öffentlichkeit zu treten, organisierte der Arbeitskreis am 22. Januar 2026 eine Kundgebung am Schlossplatz. Rund 75 Menschen waren anwesend, um den verschiedenen Redner:innen zuzuhören. Die Bühne war mit dem Slogan “Für Bildung kein Geld – FAU zerfällt” versehen. Drei zentrale Beiträge umrahmten die Veranstaltung.
Kati als Vertreterin der Initiative weist auf die massive Unterfinanzierung der Universität hin. Während etwa 35 Millionen Euro für Sanierungen nötig wären, stehen nur 6 Millionen Euro zur Verfügung. Sie fordert mehr politische Unterstützung für Bildung und ruft dazu auf, auf die Missstände aufmerksam zu machen. Vincent vom Sprecher:innenrat erläutert den Universitätshaushalt und macht deutlich, dass der Freistaat seiner Verantwortung bei der Finanzierung nicht ausreichend nachkommt. Mit dem Satz „Wir sind kein Restposten im Haushalt, wir sind die Zukunft“ betont er die Bedeutung der Studierenden. Laura von der GEW bemängelt anschließend die geringe Priorität, die der Bildung zugeschrieben wird und kritisiert die Kapitalisierung von Stellen. Sie weist auf Personalmangel, schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Bezahlung im Hochschulbereich hin.
Nach den drei organisierten Beiträgen ergriffen außerdem noch Paulus und Lukas das Wort. Paulus als ehemaliger Studierendenvertreter nimmt die langjährige Bildungspolitik in den Blick und berichtet von Beispielen von Missmanagement. Dabei betont er, dass häufig erst reagiert werde, wenn bereits Schäden oder Gefahren entstanden sind. Lukas von der Linken Erlangen kritisiert, dass der Freistaat Bayern zwar mit Schuldenfreiheit werbe, jedoch den zunehmenden Gebäudeverschleiß ignoriere. Er fordert mehr Investitionen in Bildung und Forschung sowie gemeinsamen politischen Druck.
Danach wurde dazu aufgerufen, Anekdoten aus dem eigenen Uni-Alltag zu erzählen und inwiefern man die bauliche Situation der Universität selbst erlebt. Diese Möglichkeit wurde von mehreren Studierenden genutzt, um von Erfahrungen zu berichten.Die Kundgebung wurde am Schluss durch ein selbstgeschriebenes Lied eines Studierenden abgerundet, in dem die Tür der philosophischen Fakultät besungen wurde.
Ob durch die Kundgebung das Ziel der Initiative erreicht werden konnte, dem Thema größere Aufmerksamkeit zu verschaffen und Druck auf Politik und Universitätsleitung auszuüben, wird sich in Zukunft zeigen. Möchte der Freistaat Bayern jedoch weiterhin sein Bildungssystem als Aushängeschild nutzen, müssen die Stimmen der Studierenden gehört werden.
Autorin: Marie Schüler

