Über 5 Jahre nach The Bitter Truth meldet Evanescence sich mit einem neuen Album zurück. Sanctuary soll ein Zufluchtsort vor der Wahrheit sein. Große Fußstapfen hat es auf jeden Fall zu füllen.

Die ersten Anzeichen auf ein neues Album von Evanescence kamen im Zusammenhang mit der ersten Staffel der Animationsserie zum gleichnamigen Videospiel Devil May Cry. Hierfür hat die Band nämlich den Titelsong “Afterlife” produziert. Die Serie verwendet für ihren Soundtrack generell Metal und Alternativ Rock Songs von Größen wie Papa Roach, Limp Biscuit oder eben Evanescence. Da war es ein strategisch guter Move, auch den Titelsong von einer dieser Band neu produzieren zu lassen. Den Hype hat Evanescence dann wiederum auch dankbar angenommen und als Promo für ihr neues Album verwendet.
“Sanctuary” ist das sechste Album der Band und klingt so, als wären die 2000er nie weg gewesen. Evanescence hat einen sehr eindeutigen Stil. Der ist dramatisch, melancholisch und hat trotzdem eine Menge Power. Allen voran liegt das aber natürlich an Amy Lee, ohne deren außergewöhnlichen Stimmeinsatz die Band vermutlich nie diese Höhen erreicht hätte.
Das Album hat aber dennoch große Fußstapfen zu füllen. Nachdem ihr Debütalbum Fallen mehrmals mit Platin ausgezeichnet wurde und generell eins der erfolgreichsten Alben der letzten 30 Jahre ist, haben auch die folgenden Alben nie an diesen Erfolg anknüpfen können. Generell zählt Evanescence aber trotzdem zu einer der bekanntesten Alternativ Rock Bands. Zusätzlich ist The Bitter Truth auch schon über 5 Jahre alt, weswegen sich Fans natürlich über ein neues Album gefreut haben. Vor allem, weil das Album “Sanctuary” als solches sehr gut funktioniert. Es hat einen unverwechselbaren Stil und ist damit als ganzes Werk einfach stimmig und sehr episch.
Amy Lee hatte in einem Interview erklärt, dass das Album ein Zufluchtsort vor der Wahrheit sein soll. Vermutlich meint sie damit, dass sie uns beim Zuhören von all dem ablenken will, was gerade so um uns herum passiert. Das gelingt auch ziemlich gut. Generell ist das eine gute Empfehlung, euch das Album an zumachen, es laufen zu lassen und euch das nächste Gewitter am Horizont anzuschauen. Das passt gut zusammen und lässt einen für so eine Stunde sehr gut abschalten.
Musikalisch hat sich Evanescence auch weiterentwickelt: Es gibt harte Gitarren, epische Chöre und einfach viel Power. Ähnlich wie “Bring Me To Life” ist das also nicht mehr so wirklich. Vor allem Amy Lee ist hier immer das Highlight. Ihre Stimme ist einfach was Besonderes.
Um am Ende noch eine Song Empfehlung auszusprechen: How Do I Heal ist auf jeden Fall genauso gefühlvoll und dramatisch wie man sich das von Evanescence wünscht. Aber der Titel verrät auch schon, dass es nicht mehr um eine Liebeserklärung wie bei My Immortal geht. Ich kriege hier aber trotzdem auch immer wieder Gänsehaut beim Anhören. Amy Lees Stimme als “schön” zu bezeichnen, wird ihr auch gar nicht gerecht, aber mir fällt einfach nicht mehr ein, um das zu beschreiben. Der Song lässt mich auch für 4 Minuten abschalten und fühlen. Nochmal extremer als das Album an sich. Um also die Frage des Songs zu beantworten, wie ich heilen soll: Mit diesem Song.
Autor: Moritz Meckl

