Es existiert kaum eine so männerdominierte Szene wie der Motorsport. Egal welche Disziplin, ob im Cockpit oder im Paddock. Dennoch haben es einige Frauen geschafft, ihre Kollegen zu übertreffen.

Motorsport kann grundsätzlich ein Sport für alle sein. Die Grundvoraussetzungen sind weniger Körper abhängig als in den meisten anderen Sportarten. Dafür sind die finanziellen Mittel meistens viel wichtiger. Dennoch ist der Profibereich bis heute ein sehr exklusiver Kreis, der vor allem von Männern dominiert wird. In den höchsten Klassen gab es bis heute 116 Formel 1-, und 39 MotoGP-Rennsieger. 81 Fahrer konnten einen WRC-Lauf gewinnen. Die Rallye Dakar hatte 46 verschiedene Sieger, LeMans 152, die höchste Liga von NASCAR über 200 und IndyCar über 100. Zu diesen über 600 Männern gesellen sich exakt drei Frauen. Die Diskrepanz geht mittlerweile soweit, dass es Motorsport-Serien nur für Frauen gibt. Es soll hier aber nicht darum gehen, warum so wenig Frauen bis heute gewinnen konnten oder überhaupt antreten. Diese Reihe soll den Frauen einen Raum geben, die es geschafft haben, in einer männerdominierten Welt mehr als nur ein Ausrufezeichen zu setzen. Zum Glück ist diese Liste unvollständig, da ein gesamter Überblick nicht auf ein bis zwei Seiten passt.
Starten wir einmal mit der sogenannten Königsklasse, der Formel 1. Mittlerweile gibt es mit der F1-Academy eine eigene Serie nur für Frauen. Diese wurde 2023 ins Leben gerufen, um Frauen im Formelsport zu fördern. Jede Einzelne dort Vertretene hätte es natürlich verdient, hier genannt zu werden. In der Formel 1 selbst gab es bis heute allerdings nur eine Handvoll Fahrerinnen, die tatsächlich angetreten sind. Die meisten sind am Qualifying gescheitert oder haben nur eine kleine Auswahl von Rennen in den hinteren Platzierungen abschließen können. Dabei ist bereits 1958 Maria Teresa de Filippis als erste Frau bei einem Formel 1 Grand Prix angetreten, damals noch für Maserati. Damit hat es nur 8 Jahre gedauert, bis eine Frau in der Formel 1 fährt. Die Einzige, die es bis heute geschafft hat, Punkte einzufahren, ist Maria Lella Lombardi. Beim Großen Preis von Spanien erreichte sie Platz 6 und erhielt dafür einen halben Punkt, weil das Rennen vorzeitig abgebrochen wurde. Zum Vergleich: Nach dem heutigen Regelwerk wären das 4 Punkte. Für die volle Distanz gäbe es sogar 8 Punkte. Damit ist sie erfolgreicher als über 100 ihrer männlichen Kollegen, die es nie geschafft haben, überhaupt einen Punkt einzufahren. Seit Lombardi 1976 der Formel 1 den Rücken zugekehrt hat, konnte sich keine Frau mehr für ein Rennen qualifizieren.
Mit der Zeit, vor allem seit den 2010ern, gab es aber immer wieder Testfahrerinnen, die zumindest die Chance bekommen haben, ihr Talent auf der Strecke zu beweisen. Größere Bekanntheit konnte vor allem Susi Wolf erlangen, da sie zwischen 2012 und 2015 über mehrere Jahre hinweg als Testfahrerin für den britischen Rennstall Williams aktiv war. Maria de Villota ist vor allem für die Teams Renault und Marussia aktiv gewesen und in dieser Zeit auch zur Botschafterin für Frauen im Motorsport ernannt worden. Sie gilt ebenfalls als eine Mentorin für den heutigen Formel 1-Fahrer Carlos Sainz Jr. Neben der Rennstrecke waren vor allem Monisha Kaltenborn und Clair Williams als Teamchefinnen über einen längeren Zeitraum unterwegs.
In den letzten Jahren konnten vor allem zwei Frauen Erfolge einfahren, die 2026 von der Formel 1 geehrt wurden. Jeweils eine Kurve auf dem Albert Park Circuit in Melbourne wurde nach Hannah Schmitz – Chefstrategin bei Red Bull – und Laura Müller – Renningenieurin bei Haas – benannt. Schmitz spielte vor allem eine tragende Rolle bei den Weltmeistertiteln von Max Verstappen zwischen 2021 und 2024. Müller ist ihres Zeichens die erste Renningenieurin der Formel 1. Die Benennung der Kurven ist allerdings vorerst nur vorübergehend. Ob sie in der nächsten Saison noch dieselben Namen tragen, wird sich erst noch entscheiden. Mit diesen Schritten und dem Aufwind der F1 Academy bleibt es spannend zu beobachten, ob sich demnächst wieder mal eine Frau durchsetzen kann und die Chance erhält, in der Formel 1 anzutreten.
Positiv hervorzuheben ist, dass viele der Frauen, die in der Formel 1 aktiv waren, auch außerhalb davon Erfolge feiern konnten. Maria Lombardi hat zum Beispiel als erste Frau an einem Deutsche Tourenmeisterschaft (kurz DTM) Rennen teilgenommen und konnte in diversen Sportwagen Rennen sogar Siege einfahren. Auch De Filippis blieb dem Motorsport treu und wurde 1954 Zweite in der Italienischen Sportwagen-Meisterschaft.
Autor: Moritz Meckl

