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American Horror Story – Staffel 6 auf einem holprigen Pfad ins amerikanische Hinterland

Mal gleich ein Statement vorab: Ich schaue gerne Horrorfilme. Halloween, Nightmare on Elmstreet, Freitag der 13te… Die ganzen Klassiker habe ich gerne geschaut. Als ich in meinem Netflix-Feed dann American Horror Story entdeckte habe, war ich sofort begeistert. Mehr oder weniger gruselig, visuell großartig und mit Katy Bates, Jessica Lang und sogar Lady Gaga hervorragend besetzt. Fünf Staffeln, die jeweils eine in sich geschlossene Miniserie sind und eine Besetzung, die fast schon als Ensemble beschrieben werden kann, und die in jeder Staffel in eine neue Rolle schlüpft, das ist in der Serienlandschaft selten.

Die Geschichten spielen an so vielen verschiedenen Orten, dass fast alle Horrorsettings mal auftauchen: ein Haunted Haus, eine Irrenanstalt, eine Freakshow, ein Hexenzirkel und ein Hotel. American Horror Story ist durch die aufwendigen und visuell gut inszenierten Schauplätze und Kostüme eine wahre Bilderflut, der sich der Zuschauer kaum entziehen kann.

Die sechste Staffel geht aber andere und für die Serie eher ungewohnte Wege. Statt wie in den früheren Staffeln, funktioniert Roanoke wie eine Mocumentary, also eine gefakte Doku alà Blair Witch Project.

Matt & Shelby kaufen sich (Vorsicht Klischee) ein altes Haus im amerikanischen Hinterland für einen sehr geringen Betrag und direkt vor der Tür wartet quasi schon der wütende Mob, der die Fremden nicht in diesem Haus haben möchte. Es gibt Kannibalen, Alkoholismus, einen geheimen Keller, unsichtbare Freunde und wenn der Blutmond am Himmel aufgeht, tun sich im Haus seltsame Dinge. Kaum ein Klischee wird ausgelassen, es gibt natürlich die Polizei, die den Bewohnern nicht glaubt, alte Geschichten, die vorherigen Besitzer sind alle auf mysteriöse Weise gestorben etc. Um möglichst viele Darsteller des American Horror Story – Ensembles unterzubekommen, wird der eine Teil der Geschichte durch Interviews erzählt und der andere wird von anderen Schauspielern als Reenactment nachgespielt. Dass das Ganze nicht für eine ganze Staffel reicht ist klar und deswegen gibt es noch einen Meta-Plot oben drauf. Nach der Hälfte der Folgen wird die Szenerie zu Big Brother gemacht und sowohl Schauspieler als auch die “echten” Menschen werden zurück in das Landhaus gebracht, ausgestattet mit 72 Kameras, um dort drei Tage zu verbringen. Und dann? Naja, history repeats itself, wie man so schön sagt und am Ende  sind (Vorsicht Spoiler!) so ziemlich alle tot.

Alles, was American Horror Story besonders gemacht hat, Spannung, gut ausgewählte Locations und Kostüme, all das scheinen die Macher über Bord geworfen zu haben für… naja, für was eigentlich? Für alle Stereotypen, die man sich vorstellen kann: Menschenfresser mit Weed, Jugendliche auf der Suche nach mehr Klicks und Likes und natürlich der geldgeile Produzent der Meta-Serie.

Visuell bietet die Serie kaum etwas Herausragendes, von der Architektur des Landhauses mal abgesehen. Die schauspielerische Leistung kann als solide durchgehen, trotzdem ist Roanoke die bisher schwächste Staffel der Serie. Man darf aber weiterhin gespannt bleiben, Staffel 7 lief gerade in den USA und bis die zu uns kommt, dauert das ja bekanntlich immer eine Weile.

Text: Lea Kiehlmeier