Album der Woche

Album der Woche KW 10: Kaffkiez – WIR

Nach ihrer Bahnhofs-Konzerttour, die in Nürnberg mit einem ungeplanten Polizeieinsatz für Aufsehen sorgte, veröffentlichen Kaffkiez nun ihr drittes Album „WIR“.

Bild: Kaffkiez 2026

Es ist mittlerweile das dritte Album der Band Kaffkiez aus Rosenheim. Nach „Alles auf Anfang“ und „Ekstase“ führt es ihre Geschichte fort. (Eine Rezension zum Album „Ekstase“ findet ihr hier: https://www.funklust.de/2024/03/album-der-woche-kw-10-kaffkiez-ekstase/). Diese Geschichte beginnt mit dem Album „Alles auf Anfang“, das viele Situationen beschreibt, in denen es darum geht, neue Sachen auszuprobieren und ins Leben zu starten. Ein Beispielsong hierfür ist „Frei. Hier wird das Gefühl beschrieben, wenn alles irgendwie doof ist und man mit dem Rücken zur Wand steht – und dennoch gibt es einen Weg, den man nur gehen muss.

Und genau diesen Weg ist die Band mit ihrem zweiten Album „Ekstase“ gegangen. Ein Album voll mit dem Gefühl einer gewissen Ruhelosigkeit. Es erzählt von einer Zeit, in der man sich selbst finden soll, obwohl man nicht weiß, wer man ist  und sich vielleicht nicht einmal  finden und anpassen möchte. Ein wenig verloren in der Welt und deren Erwartungen. Klassisches Beispiel wären hier die Songs „Mitte 20“ oder „Ich lüge“, die Momente beschreiben, wo andere ihren Platz gefunden haben, man selbst aber noch herumtreibt.

Und genau diesen Platz hat die Band dann in ihrem dritten Album „WIR“ gefunden, und zwar – wie der Albumtitel sagt – im Wir. Dabei liegt in den Lyrics der Fokus stark auf Zusammenhalt, Freundschaft und dem Bedürfnis nach Verbindung in einer zunehmend fragmentierten Welt. Gefühle wie Gemeinschaft statt Individualismus, 

Emotion statt Ironie, Nähe statt Distanz, Liebe statt Ausprobieren, werden in vielen Texten beschrieben. Ein Beispiel hierfür liefert der Song „Hast du noch Zeit?“, in dem es um ein nächtliches Treffen mit einer geliebten Person, einer engen Verbindung und der Sehnsucht nach ihr geht.

Die Textpassagen  die nach Anpassung und romantischer Verbindung klingen, nehmen dem Album jedoch einen Teil der individuellen Schärfe. Im Vergleich zu vorherigen Alben fehlt ein wenig der raue Ton und die Überraschungen. Es wirkt allerdings auch reifer, cleaner, professioneller und dennoch super live-tauglich. Dies liegt insbesondere daran, dass die Band ihrem Genre, dem Indie-Rock, treu bleibt. Damit spielen sie erneut auf vielen Festivals in diesem Sommer, inklusive dem Taubertal-Festival, das nicht weit weg von Erlangen stattfindet, sowie dem Hurricane.

Passend dazu ging die Band im Herbst mit einer ungewöhnlichen Mini-Tour durch Süddeutschland auf Reisen und spielte spontane Kurzkonzerte an Bahnhöfen – unter anderem in Nürnberg. Dort lockte die Aktion mehrere hundert Fans an und sorgte sogar für einen kleinen Polizeieinsatz. Denn obwohl die Band nur drei oder vier Songs pro Bahnhofskonzert spielte, versammelten sich, mobilisiert durch Social Media, mehr Fans  als erwartet. Deshalb schritt die Polizei ein und die Band bekam eine Anzeige, da der Auftritt nicht offiziell angemeldet war.

Autorin: Philippa Petersen



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