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Album der Woche KW 45: Klez.e – November

Der Herbst tanzt ab und der Winter lässt kaum auf sich warten. Am 10.11.2017 kommt das alternative-rock-live-Album November von Klez.e. Tatsächlich in einer nur auf 1000 Stück limitierten Auflage.

Klez.e setzten an wo die Wiedervereinigungseuphorie der deutschen Rock-Geschichte aufgehört hat, daran denke ich an Stücke wie Der Traum ist aus von Ton-Steine-Scherben. Die Atmosphäre ist angemessen den postfaktischen Mängeln der Gesellschaft und etiloiert. Tatsächlich ist das Album äußerst atmosphärisch und erlaubt sich wenige offensichtliche Melodien. Die Künstler haben einen wunderbaren instrumentalen Klang eingefangen. Der Gesang erschafft das Bild eines ruhenden Wächters mit bewusster und starker Stimme.

Ich konnte nicht rausfinden ob die Künstler jemals einen Plattenvertrag hatten oder einen wollten, allerdings muss ich anmerken dass  sie sich Gemäß den Regeln der Rockplatten-Industrie verhalten. Dennoch halte ich sie für äußerst aktuell, denn sie haben für Liebhaber von bekannten Größen wie Radiohead bis “Underground-Perlen” wie A vinged victory for the sullen etwas zu bieten. Ich denke sie Verarbeiten neue Einflüsse, wenn sie welche haben ziemlich gut, und das ist ganz schön. Wer sich dabei keine Verirrung in “New Wave”-Untiefen erlaubt, ist tatsächlich ein Meister.

Man muss auch musikalisch einiges durchmachen bis man einen brillianten Wechsel von Synitiwellen bis Stürmen zu seiteninstrumentellen Regen zustande bringt. Beschwörend schamanisch bilden Klez.e eine Musikuhr mit gestandenem Taktschlag. Bewegend und dabei psychodelisch-gesellschaftsmanipulativ treiben sie den Zuhörer zu höherem Streben.

Klez.e geben sich textlich starke Mühe. Sie erlauben sich interessanten barocken Einfluss, damit meine ich dass der dem Sänger unvollkommen scheinenden Text manchmal gegen die vollkommenen Noten zu kämpfen scheint. Doch dieser Schein trügt, denn der Gesang macht eben aufmerksam und lässt den Zuhörer in keinem schweigenden Paradies. Der Text ist eindeutig punkig, oder eben post-punkig. Die Message bleibt , die Worte werden etwas anders gewählt.

Genauer gesagt ist der Text punktuell metapherngeschwängert. Die Worte sind verletzend heilend und tragen die Idee des Friedens in sich. Leider hält sich die Band immer noch äußerst exklusiv, fast schon bedeckt über Wasser und kommt auf Ihrer tour nicht nach Franken, dennoch bescheren sie jedem der es nicht in ihre Umgebung schafft ihre Live-Atmosphäre direkt durchs Ohr ins Herz.

Text: Vladimir Belenkij